
Kein roter Teppich, aber volle Kassen für den Film:Von Anuschka WienerlEs ist eine Zäsur in der hessischen Kulturlandschaft:
Der Hessische Film- und Kinopreis wird 2026 nicht in gewohnter Form vergeben. Die große Gala mit rotem Teppich, glamourösen Roben und prominenten Gästen fällt für ein Jahr aus. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels verkündete die Entscheidung, um Geld zu sparen und es dort einzusetzen, wo es der Filmbranche wirklich hilft.
Der Filmpreis pausiert, der Kinopreis bleibt
Wichtig für die Einordnung: Nicht der gesamte Preis fällt weg. Unterschieden werden muss zwischen dem eigentlichen Filmpreis – der für herausragende Produktionen, Regie- und Schauspielleistungen steht – und dem Kinopreis, mit dem das Land die hessische Kinolandschaft würdigt.
Auf die Verleihung des Filmpreises wird 2026 ganz verzichtet. Der Kinopreis dagegen bleibt bestehen, wird aber „im kleineren Rahmen“ vergeben, ohne die große Bühne der Alten Oper, dafür mit einem klaren Bekenntnis zu den Kinobetreiberinnen und -betreibern im Land. Gremmels betonte, ihm sei der Erhalt der hessischen Kinolandschaft gerade angesichts ungewisser Bundesförderungen ein besonderes Anliegen.
Bereits bei der letzten Gala war das Preisgeld für die Kinos von 150.000 auf 215.000 Euro erhöht worden, ergänzt um einen neuen Sonderpreis, unter anderem für die Bali-Kinos in Kassel anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens. Gespart wurde dort im Gegenzug an den Nominierungsgeldern für nicht prämierte Häuser und an den aufwendig gefertigten Preis-Statuetten.
Roter Teppich weicht der Realität: Warum der Verzicht auf die Gala 2026 ein Gewinn für den hessischen Film ist
Glanz, Glamour, Blitzlichtgewitter und der obligatorische rote Teppich in der Alten Oper – das sind die Bilder, die man mit dem Hessischen Film- und Kinopreis verbindet. Doch im Jahr 2026 bleibt dieser Rahmen leer. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels hat frühzeitig bekannt gegeben, dass die große Preisgala in diesem Jahr ausgesetzt wird.
Auf den ersten Blick mag das schmerzen. Schließlich feiert die Branche traditionell ihre herausragenden Köpfe und kreativen Meilensteine.
Doch schaut man hinter die Kulissen dieser Entscheidung, offenbart sich ein kulturpolitischer Schritt, der in Zeiten angespannter Kassen und struktureller Krisen nicht nur vernünftig, sondern beispielgebend ist: Das Budget fließt dorthin, wo es die Film- und Kinobranche am dringendsten braucht – direkt in die Produktion und den Erhalt der Spielstätten.
Die Krise als Wendepunkt: Sparen am Glanz, Stärken der Substanz
Die deutsche Film- und Kinolandschaft navigiert seit Jahren durch unruhiges Fahrwasser. Steigende Produktionskosten, veränderte Sehgewohnheiten und nicht zuletzt wackelige beziehungsweise ungewisse Aussichten bei der Bundesförderung setzen Filmschaffenden und Kinobetreibern zu.
Vor diesem Hintergrund wirkt eine opulente Gala mit rotem Teppich schnell wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Wie das Ministerium betonte, ist eine solche Großveranstaltung schlichtweg teuer.
In einer Phase, in der öffentliche Haushalte restriktiv planen müssen und an allen Ecken und Kanten gespart wird, wäre ein rauschendes Fest das völlig falsche Signal an die Öffentlichkeit und die Kulturschaffenden selbst.
Die Devise lautet daher: Inhalt vor Inszenierung.
Statt die verfügbaren Mittel in eine einmalige Abendveranstaltung zu stecken, wird das Geld geschützt und umgeleitet. Die Devise des Landes lautet, die regulären Förderbudgets für Film- und Serienprojekte sowie die essenzielle Kinoförderung trotz der Haushaltslage stabil zu halten und nicht anzutasten.
Die Entscheidung: Sparen für die Filmförderung
Minister Gremmels begründete den Verzicht auf die Gala unmissverständlich mit den Kosten einer solchen Großveranstaltung.
Die filmjournalistische Einordnung:
Fazit der Redaktion: Ein gesundes Signal für die Zukunft
Man muss den Mut haben, Traditionen temporär herunterzufahren, um ihre Substanz zu retten. Der Verzicht auf die Gala im Jahr 2026 ist kein Begräbnis des Hessischen Film- und Kinopreises, im Gegenteil:
Die Auszeichnungen sollen im darauffolgenden Jahr 2027 in gewohnt glanzvollem Rahmen zurückkehren.
Bis dahin hat die hessische Film- und Medienlandschaft etwas Besseres als eine glänzende Trophäe auf der Bühne: Sie hat die Gewissheit, dass die finanziellen Mittel dort ankommen, wo Geschichten entstehen, Kinos beleuchtet und kreative Talente gefördert werden.
Wenn Sparsamkeit dazu führt, dass die Kunst überlebt, dann ist das der beste Filmpreis, den sich die Branche wünschen kann.
Fotostrecke Hessischer Film und Kinopreis der vergangenen Jahre




































