Backstage beim Filmfest MüNCHEN 2025

Zwischen Blitzlicht und Wirklichkeit
„Backstage beim Filmfest: Was hinter den Kameras wirklich passiert“
Was das Filmfest München 2025 über die deutsche Filmbranche erzählt
Eine Reportage von Anuschka Wienerl
Es ist kurz nach neun Uhr morgens. München wirkt an diesem Frühsommertag beinahe gelassen. Cafés öffnen ihre Terrassen, Straßenbahnen ziehen durch die Stadt und in den Parks sitzen die ersten Menschen in der Sonne. Doch rund um die Spielstätten des 42. Filmfests München beginnt ein ganz anderer Rhythmus.
Hier zählt jede Minute.
Noch ist der rote Teppich leer. Die Fotografen, deren Bilder am Abend um die Welt gehen werden, justieren Objektive und testen Belichtung. Techniker verlegen letzte Kabel, prüfen Mikrofone, kontrollieren Scheinwerfer. Volunteers begrüßen die ersten akkreditierten Gäste, verteilen Festivalprogramme und beantworten geduldig dieselben Fragen immer wieder. Sicherheitskräfte stimmen Abläufe ab, Presseteams koordinieren Termine im Minutentakt.
Es ist die Ruhe unmittelbar vor dem großen Auftritt.
Wer das Filmfest München nur aus den Nachrichten kennt, verbindet es meist mit eleganten Abendroben, prominenten Gesichtern und jubelnden Fans hinter den Absperrungen. Die Kameras richten sich auf den roten Teppich – dorthin, wo Schauspielerinnen, Schauspieler und Regieteams für wenige Minuten im Rampenlicht stehen. Doch das eigentliche Festival beginnt schon lange vorher.

Mehr als Glamour
Das Filmfest München zählt seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Filmfestivals Europas. Es ist nicht das lauteste Festival, nicht das größte und auch nicht das exzentrischste. Gerade darin liegt seine Besonderheit.
Hier stehen weniger die Schlagzeilen als die Filme im Mittelpunkt.
Die Ausgabe 2025 brachte Filmschaffende aus aller Welt nach Bayern. Über Tage hinweg wurden internationale Produktionen, deutsche Premieren, Nachwuchsfilme und große Studioprojekte präsentiert. Zwischen Kinosälen, Pressekonferenzen und Branchentreffen entstand ein Ort, an dem Kreativität und Wirtschaft aufeinandertreffen.
Denn Film ist längst mehr als Kunst.Film ist Kultur. Film ist Wirtschaft. Film ist Politik. Und Film ist Teamarbeit.
Hinter jeder Premiere stehen Hunderte Menschen
Wer einen Kinofilm sieht, erinnert sich an den Hauptdarsteller oder die Regisseurin. Vielleicht noch an die Musik oder an besonders beeindruckende Bilder.
Kaum jemand denkt an die Produktionsleitung.An die Aufnahmeleitung. An die Beleuchter. An die Kostümbildner. An Maskenbildnerinnen, Szenenbildner, Kameraassistenzen oder die Menschen, die über Monate Drehpläne erstellen und dafür sorgen, dass hunderte Gewerke ineinandergreifen wie Zahnräder eines Uhrwerks.
Genau diese Menschen begegnen einem beim Filmfest München.
Nicht auf dem roten Teppich. Sondern in den Fluren zwischen zwei Vorführungen. Mit einem Coffee-to-go in der Hand.Mit Festivalausweis um den Hals.
Mit müden Augen – und dennoch voller Begeisterung.
Viele reisen direkt von einem Dreh zum nächsten Festival. Andere hoffen, hier endlich den Produzenten kennenzulernen, der ihr Drehbuch liest oder ihren Film finanziert.
Das Filmfest ist deshalb weit mehr als eine Bühne. Es ist ein Marktplatz für Ideen. Ein Treffpunkt für Visionen. Ein Ort, an dem Karrieren beginnen können.

Wenn Sekunden über Erfolg entscheiden
Während Besucher entspannt durch das Festivalprogramm blättern, laufen im Hintergrund dutzende Prozesse gleichzeitig.
Ein Interview dauert exakt zwölf Minuten. Danach wartet bereits das nächste Medium. Die Schauspielerin muss pünktlich zur Premiere. Der Regisseur sitzt parallel in einer Pressekonferenz. Ein Fotograf braucht noch schnell ein Portrait. Ein Kamerateam bittet um ein kurzes Statement. Und gleichzeitig beginnt bereits die nächste Filmvorführung.
Für Außenstehende wirkt dieses Chaos fast unmöglich zu koordinieren. Doch gerade darin liegt die besondere Kunst eines Filmfestivals. Jeder weiß genau, was zu tun ist. Jeder Handgriff sitzt.
Die eigentlichen Geschichten
Als Journalistin sucht man auf einem Filmfestival nicht nur nach Prominenten. Die interessantesten Geschichten entstehen häufig dort, wo keine Kameras stehen. In einem kurzen Gespräch zwischen zwei Produzenten. In der Nervosität eines jungen Regisseurs kurz vor seiner Weltpremiere.
Oder in den stillen Momenten, wenn ein Filmteam nach jahrelanger Arbeit zum ersten Mal gemeinsam mit Publikum im Kinosaal sitzt.
Man spürt förmlich, wie sich Anspannung und Hoffnung vermischen. Für manche Filme beginnt genau hier ihre internationale Reise. Für andere endet sie an diesem Abend. Ein Festival kann Karrieren verändern. Manchmal reichen dafür zwei Stunden im Kinosaal.
Film ist Begegnung
Zwischen den offiziellen Veranstaltungen verwandelt sich München in ein riesiges Netzwerk. Regisseurinnen diskutieren mit Verleihern. Produzenten treffen Förderinstitutionen. Streamingplattformen beobachten neue Talente.
Filmhochschulen präsentieren ihre Absolventinnen und Absolventen.
Journalistinnen und Journalisten suchen nach den Geschichten hinter den Geschichten.
Überall entstehen Gespräche.
Nicht selten beginnen erfolgreiche Filmprojekte mit einem einfachen Satz:
„Lass uns doch mal telefonieren.“ Genau darin liegt die eigentliche Kraft eines Festivals. Nicht nur Filme werden gezeigt. Hier entstehen neue Filme.








