​Susanne Bommer – Mode zwischen Handwerk und Haltung

Die Geometrie der Eigenwilligkeit – Susanne Bommers radikale Ästhetik

Wer durch das Glockenbachviertel in München schlendert, unweit des Viktualienmarkts und des Gärtnerplatzes, stößt fast zwangsläufig auf einen Namen, der in der deutschen Modeszene seit über drei Jahrzehnten für eine ganz eigene Handschrift steht: Susanne Bommer.

Eine Karriere aus dem Keller heraus

Die Geschichte des Labels beginnt nicht am Reißbrett, sondern an einer alten Tretnähmaschine. Schon als junge Frau verbrachte die Münchner Designerin ganze Tage im Keller mit Nähen und Färben – inspiriert von den Erzählungen ihrer Großmutter, die von Handarbeiten, Stickereien und kleinen Truhen voller Perlen und Glitzerbänder berichtete. Diese Nähe zum Material und zur Handwerkskunst prägt ihre Arbeit bis heute.

Nach dem Modedesign-Abschluss gewann sie 1991 den Modepreis der Avantgarde München und eröffnete zwei Jahre später ihren ersten Monobrand-Store in der bayerischen Landeshauptstadt. Seit 1994 zeigt sie ihre Kollektionen regelmäßig auf internationalem Parkett – von Düsseldorf über Paris bis nach Tokio, Osaka und Mailand.

​Susanne Bommer – Mode zwischen Handwerk und Haltung

Susanne Bommer – Die Kollektionen im Detail

Ein Blick in die aktuellen Kollektionen zeigt, wie konsequent Susanne Bommer ihre Prinzipien umsetzt. Die Silhouetten sind überwiegend fließend und figurbetont zugleich lässige Schnitte treffen auf hochwertige Naturmaterialien wie Baumwolle, Seide und Tüll.

Ein Beispiel: Rundhals-Blusen in leichter A-Linie, veredelt mit breiten, doppelten Rüschen am Ärmelsaum – ein typisches Detail, das Verspieltheit und Präzision miteinander verbindet.
Auch bei den unteren Teilen zeigt sich die Handschrift des Labels: Röcke und Hosen in Midilänge, oft mit elastischem Bund für Tragekomfort, kombiniert mit klaren Farbflächen – Schwarz und gedeckte Blautöne stehen dabei neben den für das Label typischen Rot-Rosa-Nuancen.

Innovative Schnittführung und besondere Verarbeitungstechniken sorgen dafür, dass die Teile über Saisongrenzen hinweg kombinierbar bleiben und trotzdem in jeder Kollektion neu und eigenständig wirken.
Thematisch schöpft Susanne Bommer aus einem breiten Fundus: Kunst, Kultur und Geschichte fließen ebenso ein wie persönliche Referenzen – von den Bauhaus-Idealen ihrer Kindheit bis zu Einflüssen wie Björk oder der Ästhetik der 1940er- und 1980er-Jahre.

Dabei legt das Label zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit: umweltfreundliche Materialien, faire Arbeitsbedingungen und die enge Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern und Produzenten gehören mittlerweile zum Selbstverständnis der Marke.

Wenn Stoff zu Beton und Seide zu Skulptur wird

Susanne Bommer verachtet die Beliebigkeit. Ihre Silhouetten spielen mit der Schwerkraft: Mäntel fallen mit einer fast brachialen Eleganz, Kleider besitzen eine plastische Tiefe, die an expressionistische Leinwände erinnert, und Schnitte brechen mit jeder herkömmlichen Körpergeometrie.

​Die Geometrie des Bruchs: Ihre Kollektionen leben von radikalen Kontrasten. Da trifft monumentale, fast skulpturale Strenge auf fließende Sinnlichkeit. Es ist diese bewusste Dissonanz, die ihre Mode so elektrisierend macht.

Kein Raum für Nostalgie: Statt sich an vergangenen Epochen abzuarbeiten, blickt Bommer nach vorn. Ihre Kreationen sind für Frauen gemacht, die keine Projektionsfläche sein wollen, sondern das Zentrum der eigenen Wahrnehmung.

Die europäische Manufaktur als Statement

In einer Branche, die von anonymer Massenfertigung und globalen Lieferketten dominiert wird, schwimmt Susanne Bommer gegen den Strom. Jedes Stück ist ein Bekenntnis zu handwerklicher Integrität. Produziert in ausgewählten europäischen Manufakturen unter strengen Qualitätsansprüchen, entsteht hier Mode mit Seele und Herkunft. Edle Naturfasern und innovative Stoffmischungen werden so verarbeitet, dass sie nicht nur eine Saison überdauern, sondern über Generationen hinweg Charakter zeigen.​

Mode als Haltung

​Susanne Bommers Mode trägt man nicht man bewohnt sie. Sie verlangt nach Präsenz, nach Frauen, die Ecken und Kanten besitzen und diese als Luxus begreifen. Wer sich in einen Bommer-Mantel hüllt, zieht keine Rüstung an, sondern ein Statement: Ich passe in keine Schublade. Ich bin der Raum selbst.

Die Formensprache: feminin, frei und kontrapunktisch

Was Susanne Bommer von vielen anderen deutschen Labels unterscheidet, ist ihr spielerischer Umgang mit Gegensätzen. Funktionale Klarheit trifft auf verspielte Ornamentik, minimalistische Schnitte auf romantische Details aus Seide, Tüll und Feder.

Wer mit den Bauhaus-Idealen aufgewachsen ist wie die Designerin selbst, in einem klar strukturierten Betonbau , entwickelt offenbar ein Gespür dafür, wie sich Reduktion und Opulenz gegenseitig steigern können.

Charakteristisch für ihre Arbeitsweise: Am Anfang jeder Kollektion steht nicht die Skizze, sondern der Stoff selbst. Der Entwurf entsteht aus Textur und Oberfläche heraus – ein fast bildhauerischer Zugang zur Mode, der jedem Stück eine eigene Geschichte verleiht. Farblich bewegt sich das Label gern zwischen changierenden Rot- und Rosatönen, kombiniert mit hochwertiger Baumwolle und wechselnden Akzentfarben von Saison zu Saison.

Mehr als Kleidung – ein Charakter wird eingekleidet

Ungewöhnlich ist auch der konzeptionelle Anspruch des Labels: Es geht weniger darum, eine einzelne Trägerin auszustatten, als vielmehr einen Charakter zu erschaffen. In der Welt von Susanne Bommer treffen Puristinnen auf Träumerinnen, stille Naturen auf selbstbewusste High-Fashion-Persönlichkeiten – jede Kollektion baut dabei auf der vorherigen auf, ein fortlaufender, spielerischer Dialog mit Material, Schnitt und Farbe.Geführt wird das Label heute gemeinsam mit Partner Jörg Schmidt.

Die Kombination aus glamourösen Oberflächen und sichtbaren Spuren echter Handarbeit bleibt dabei das verbindende Element – sportlich-elegant, mit einer Prise Understatement.

Zum Anfassen: die Stores

Wer die Kollektionen live erleben möchte, findet Susanne-Bommer-Stores unter anderem in München (Rumfordstraße, Glockenbachviertel), Berlin, Nürnberg und Rottach-Egern am Tegernsee. International ist das Label zudem in Paris, Tokio und Barcelona vertreten – der Geist des Hauses aber bleibt unverkennbar deutsch, geprägt von Präzision, Materialbewusstsein und einer gehörigen Portion Poesie.

Ein Label, das beweist: Zeitloses Design und handwerkliche Tiefe schließen modische Experimentierfreude nicht aus – im Gegenteil.

​Susanne Bommer – Mode zwischen Handwerk und Haltung

https://www.susannebommer.com/

Fotostrecke Susanne Bommer

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