Interview Sebastian Fitzek „Fische die auf bäume klettern“
Anuschka: Sebastian, schön, dass du da bist. Dein Buch ist kein Thriller, sondern ein Vermächtnis an deine Kinder. Fangen wir mal ganz vorne an: Welchen Reiseleiter hattest du in deinem Leben, der dich nachhaltig geprägt hat?Sebastian Fitzek: Das waren zweifellos meine Eltern. Nicht,…

Anuschka: Sebastian, schön, dass du da bist. Dein Buch ist kein Thriller, sondern ein Vermächtnis an deine Kinder. Fangen wir mal ganz vorne an: Welchen Reiseleiter hattest du in deinem Leben, der dich nachhaltig geprägt hat?
Sebastian Fitzek: Das waren zweifellos meine Eltern. Nicht, weil sie mir jeden Weg vorgegeben haben, sondern weil sie mir das Vertrauen geschenkt haben, meinen eigenen Kompass zu finden. Ein guter Reiseleiter lässt dich auch mal in die falsche Straße einbiegen, damit du lernst, wie man wieder herausfindet.
Anuschka: Ein bekanntes Sprichwort sagt: „Der Weg ist das Ziel.“ Was fällt dir dazu ein?
Sebastian Fitzek: Dass es oft missverstanden wird. Viele denken, man solle ziellos umherirren. Für mich bedeutet es eher, dass wir den Moment der Reise nicht verpassen dürfen, während wir starr auf den Horizont blicken. Wenn man nur für das Ziel lebt, verpasst man das Leben, das währenddessen stattfindet.
Anuschka: Du schreibst viel über die Welt der Kinder. Welche Abenteuer erleben Kinder eigentlich anders als wir Erwachsene?
Sebastian Fitzek: Kinder haben eine völlig andere Zeitwahrnehmung und keine Angst vor dem Scheitern der Logik. Für ein Kind kann eine Pfütze ein Ozean sein. Wir Erwachsene sehen nur schmutziges Wasser und denken an die nassen Socken. Kinder erleben Abenteuer mit allen Sinnen, während wir sie oft nur noch analysieren.
Anuschka: In den letzten Jahren sind unzählige Ratgeber erschienen. Glaubst du, dass unsere Gesellschaft vermehrt nach Antworten und Rat sucht?
Sebastian Fitzek: Absolut. Aber ich glaube, wir suchen oft an der falschen Stelle. Wir wollen die „Drei Schritte zum Glück“, dabei ist das Leben individuell. Mein Buch ist auch kein klassischer Ratgeber – ich sage nicht „macht es so“, sondern „das sind die Gedanken, die ich meinen Kindern mitgeben will“.
Anuschka: Braucht es eigentlich Mut, um sich auf eine Abenteuerreise zu begeben?
Sebastian Fitzek: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Mut ist, wenn man zittert, aber trotzdem den ersten Schritt macht. Und ja, jede Reise ins Ungewisse – ob real oder mental – erfordert diesen einen Moment der Überwindung.
Anuschka: Eltern sind stolz auf ihre Kinder. Wie sieht es umgekehrt aus?
Sebastian Fitzek: Ich hoffe, dass Kinder stolz darauf sind, wenn Eltern authentisch bleiben. Nicht perfekt, sondern echt. Stolz entsteht durch Bindung und Vorbildfunktion, nicht durch die Anzahl der Überstunden oder den Kontostand.

Anuschka: Sind Kinder freigeistiger als wir?
Sebastian Fitzek: Definitiv. Sie sind noch nicht in den Käfigen der gesellschaftlichen Erwartungen gefangen. Ein Kind fragt nicht: „Darf ich das?“, sondern es probiert es einfach aus. Wir verbringen den Rest unseres Lebens damit, uns diese Freiheit mühsam zurückzukaufen.
Anuschka: Stichwort Freiheit: Ist der stetige Zeitmangel vieler Menschen eigentlich ein Verlust von Freiheit?
Sebastian Fitzek: Zeitmangel ist die moderne Form der Sklaverei. Wenn wir keine Zeit mehr für das „Nichtstun“ haben, verlieren wir die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Wer keine Zeit hat, wird gelebt, statt selbst zu leben.
Anuschka: Als Thriller-Autor gefragt: Hast du zu Beginn eines Buches eigentlich schon das Ende im Kopf?
Sebastian Fitzek: Meistens ja, aber bei „Fische, die auf Bäume klettern“ war es anders. Es war ein fließender Prozess. Und auch in meinen Thrillern überraschen mich die Charaktere manchmal und nehmen eine Abzweigung, die ich nicht geplant hatte.
Anuschka: Wie entstand eigentlich der Titel zum Buch?
Sebastian Fitzek: Er bezieht sich auf das Zitat, das oft Einstein zugeschrieben wird: „Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.“ Es geht darum, seine eigenen Talente zu finden, statt fremden Idealen nachzueifern.
Anuschka: Nimmst du für deine Bücher viel Inspiration aus deinem Alltag?
Sebastian Fitzek: Ja, ständig. Die besten Geschichten schreibt das Leben, man muss nur die Antennen ausfahren. Ein Gespräch im Café oder ein komischer Blick in der U-Bahn können der Funke für eine ganze Romanidee sein.
Anuschka: Ein Kompass gibt vier Richtungen vor. Sollte man sich starr daran orientieren?
Sebastian Fitzek: Ein Kompass zeigt dir, wo Norden ist, aber er sagt dir nicht, ob dort ein Sumpf oder ein Berg liegt. Orientierung ist wichtig, aber Flexibilität ist überlebenswichtig. Manchmal muss man nach Osten gehen, um später im Norden anzukommen.

Anuschka: Kann man in zwei Richtungen gleichzeitig gehen?
Sebastian Fitzek: Physisch nicht, aber mental tun wir es ständig. Wir leben in der Vergangenheit durch unsere Erinnerungen und in der Zukunft durch unsere Sorgen. Dabei vergessen wir, in der einzigen Richtung zu stehen, die zählt: im Jetzt.
Anuschka: Nimmt uns die heutige Technik das Erleben von Abenteuern?
Sebastian Fitzek: Sie macht es uns zu bequem. Ein Abenteuer braucht das Risiko, sich zu verfahren oder keine Antwort parat zu haben. Wenn Google Maps dir jeden Meter vorgibt, sinkt die Chance auf eine zufällige, lebensverändernde Begegnung.
Anuschka: Wie geht man am besten mit „negativen“ Reisen um?
Sebastian Fitzek: Indem man sie als das akzeptiert, was sie sind: Lektionen. Eine Reise, die schiefgeht, ergibt oft die besten Geschichten und die tiefsten Erkenntnisse über sich selbst.

Anuschka: Sebastian, schauen wir uns den inneren Antrieb an. Welche Rolle spielen Neugier und Mut in deinem Leben?
Sebastian Fitzek: Neugier ist der Motor, Mut ist das Benzin. Ohne Neugier würden wir uns nie bewegen, und ohne Mut würden wir beim kleinsten Widerstand umkehren. Neugier lässt uns fragen: „Was wäre wenn?“, und Mut lässt uns die Antwort darauf suchen, auch wenn sie unbequem sein könnte.
Anuschka: Warum macht das Fremde und Unbekannte so vielen Menschen Angst?
Sebastian Fitzek: Weil unser Gehirn auf Sicherheit programmiert ist. Das Unbekannte bedeutet Kontrollverlust. Aber wir vergessen oft, dass alles, was uns heute vertraut ist – unser Job, unsere Partner, unsere Hobbys – irgendwann einmal völlig fremd und unbekannt war. Das Wachstum liegt immer außerhalb der Komfortzone.
Anuschka: Du sprichst oft über die „Alternativlosigkeit“. Ist das in Wahrheit nur Phantasielosigkeit?
Sebastian Fitzek: Absolut. „Alternativlos“ ist ein Wort, das Wege verbaut. Es gibt fast immer eine Alternative, aber oft erfordert sie mehr Phantasie und Anstrengung, als wir bereit sind aufzubringen. Wenn wir sagen, etwas sei alternativlos, geben wir eigentlich nur zu, dass uns gerade nichts Besseres einfällt.
Anuschka: Wie können wir im Leben die richtigen Entscheidungen treffen?
Sebastian Fitzek: Indem wir aufhören, nach der „perfekten“ Entscheidung zu suchen. Die gibt es meistens nicht. Eine gute Entscheidung ist eine, hinter der man steht und aus deren Konsequenzen man lernt. Oft ist es wichtiger, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, als in der Ungewissheit zu verharren.

Anuschka: Und zum Abschluss: Wo oder wann findet man sein Glück?
Sebastian Fitzek: Man findet es nicht, man erlebt es. Glück ist kein Ort, an dem man ankommt und dann für immer bleibt. Es sind Momente – oft ganz kleine, unscheinbare Augenblicke. Wenn man krampfhaft danach sucht, übersieht man es meistens. Man muss die Augen offen halten für das, was bereits da ist.
Anuschka: Vielen Dank für diese tiefen Einblicke, Sebastian.
Sebastian Fitzek: Sehr gerne, vielen Dank für die Fragen!

Zusammenfassung der Redaktion
Ein weiteres essentielles Thema ist die Dunkelheit in der menschlichen Psyche. Fitzek thematisiert die oft verborgenen Ängste und Unsicherheiten, die im Innern jedes Einzelnen existieren. Dieses Ungleichgewicht wird durch die Darstellung von Traumata und deren Folgen greifbar gemacht. Die Figuren sind nicht nur Opfer ihrer Umstände, sondern kämpfen auch gegen ihre inneren Dämonen. Durch geschickt aufgebaute Konflikte wird der Leser dazu angeregt, über die Komplexität menschlicher Emotionen und Verhaltensweisen nachzudenken.
Darüber hinaus spiegelt das Buch verschiedene soziale Realitäten wider. Themen wie Stigmatisierung und Isolation gewinnen durch die Erlebnisse der Protagonisten an Bedeutung. Fitzeks Darstellung der Herausforderungen, die Menschen in Krisensituationen überwinden müssen, fördert ein besseres Verständnis für deren Kämpfe. Diese tiefere Botschaften an die Leserschaft laden dazu ein, die eigene Perspektive auf Mitmenschen und deren Lebensrealitäten zu hinterfragen und neue Einsichten über Empathie und Verständnis zu gewinnen.
Zukunftsausblick und Leserthemen
Im Rahmen unseres Interviews blickt Sebastian Fitzek auf seine zukünftigen Projekte und die kreativen Impulse, die ihm weiterhin für sein Schreiben zur Verfügung stehen. Besonders bemerkenswert sind seine Überlegungen zu neuen Themen, die er in seinen kommenden Werken behandeln möchte. Fitzek hat bereits angedeutet, dass er sich verstärkt mit dem menschlichen Verhalten in außergewöhnlichen Situationen auseinandersetzen möchte. Dieses Interesse an psychologischen Aspekten zieht sich wie ein roter Faden durch seine bisherigen Werke und wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen.
Ein weiterer Aspekt, den Fitzek hervorhebt, ist der Dialog mit seinen Lesern. Die Reaktionen auf „Fische, die auf Bäume klettern“ haben eine Vielfalt an Diskussionen ausgelöst. Leser berichten von persönlichen Einsichten, die ihnen durch das Buch gekommen sind. Das Werk spiegelt nicht nur aktuelle gesellschaftliche Themen wider, sondern regt auch dazu an, über die eigene Situation und Erfahrungen nachzudenken. Viele Leser haben ihre Gedanken in sozialen Medien geteilt, was den Autor dazu ermutigt hat, über die Einflüsse seiner Geschichten nachzudenken.

Die Leserreaktionen auf Fitzeks jüngstes Buch zeigen ein starkes Bedürfnis nach Identifikation und emotionaler Reflexion. Von persönlichen Erzählungen bis zu kritischen Analysen – die Resonanz reicht weit. Dieses wertvolle Feedback ist für Fitzek nicht nur ein Indikator für den Erfolg seines Werkes, sondern auch eine Quelle der Inspiration. In Zukunft möchte er diesen Dialog intensivieren, eventuell durch Veranstaltungen oder interaktive Formate, die seine Werke in noch engeren Kontakt mit der Leserschaft bringen.