Heidi Klum: Ein Persönliches Gespräch
Interview Anuschka: (rückt ihr Aufnahmegerät zurecht) „Heidi, es ist mir ein Vergnügen. Wir vom Magazin Die Dietrich beschäftigen uns viel mit der Architektur des Erfolgs – und Sie sind quasi das Empire State Building der Entertainment-Welt. Sie wirken immer so… unerschütterlich strahlend. Ist…

Interview
Anuschka: (rückt ihr Aufnahmegerät zurecht) „Heidi, es ist mir ein Vergnügen. Wir vom Magazin Die Dietrich beschäftigen uns viel mit der Architektur des Erfolgs – und Sie sind quasi das Empire State Building der Entertainment-Welt. Sie wirken immer so… unerschütterlich strahlend. Ist dieses ‚Heidi-Glow‘-Phänomen eigentlich harte Arbeit oder ein genetisches Privileg?“
Heidi Klum: (lacht herzlich und lehnt sich entspannt zurück) „Hallo Anuschka! Erstmal: Danke für das Kompliment. Ich glaube, es ist eine Mischung. Die Gene helfen beim Startschuss, aber das Rennen musst du selbst laufen. Mein ‚Glow‘ kommt meistens daher, dass ich mich weigere, schlechte Laune zu haben. Das ist eine Entscheidung, die man jeden Morgen beim Zähneputzen trifft.“
Über Mode und die Macht des Auftritts
Anuschka: „In der Mode sehen wir oft eine Rückkehr zum Minimalismus. Sie hingegen zelebrieren oft das Extravagante, das Laute. Ist Mode für Sie eher eine Rüstung oder ein Kommunikationsmittel?“
Heidi Klum: „Definitiv Kommunikation! Ich liebe es, wenn Kleidung eine Geschichte erzählt. Wenn ich als Wurm verkleidet über den roten Teppich krieche, dann sage ich: ‚Leute, nehmt euch nicht so ernst!‘ Mode soll die Lebensqualität steigern, sie soll Spaß machen. Wenn ich mich in ein enges Couture-Kleid werfe, fühle ich mich stark. Wenn ich in Jogginghose im Garten sitze, fühle ich mich frei. Beides gehört zu mir.“
Anuschka: „Heidi, lassen Sie uns tiefer in den Kleiderschrank blicken. Wir befinden uns im Jahr 2026, und die Modewelt scheint sich schneller zu drehen als je zuvor. Zwischen Ihren spektakulären Oscar-Auftritten in Perlen-Roben und Ihren Streetstyles in New York – was ist für Sie gerade das absolute ‚Must-have‘ in Sachen High Fashion?“
Heidi Klum: (strahlt) „Oh, Anuschka, ich liebe diese Frage! Aktuell bin ich total besessen von Khaki. Aber nicht dieses langweilige Safari-Khaki, sondern edle Midikleider in Tönen wie ‚Grape Leaf‘. Es ist das neue Schwarz für 2026 – super elegant, aber mit diesem gewissen Twist. Und natürlich: Perlen! Bei den Oscars habe ich Chrome Hearts getragen, komplett mit Perlen bestickt. Perlen sind dieses Jahr überall, aber nicht mehr brav wie bei Oma, sondern rockig, groß und als komplettes Statement-Piece.“

Über Stil, Trends und den Mut zum Risiko
Anuschka: „Sie gelten als Chamäleon. Mal tragen Sie skulpturale Entwürfe von Marina Hoermanseder, die wie Kunstwerke wirken, dann wieder minimalistischen Denim. Wie definieren Sie Ihren persönlichen Stil in diesem Spannungsfeld?“
Heidi Klum: „Mein Stil ist eine Achterbahn – und ich liebe die Fahrt! High Fashion muss für mich immer eine Emotion auslösen. Wenn ich ein Kleid trage, in dem ich kaum laufen kann – wie neulich bei den Grammys –, dann mache ich das, weil das Design so stark ist, dass es die Mühe wert ist. Stil bedeutet für mich, keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Wer immer nur ’safe‘ spielt, wird nie eine Ikone.“
Nachhaltigkeit und die Zukunft der Mode
Anuschka: „Ein großes Thema bei Die Dietrich ist Verantwortung. Wie stehen Sie zu nachhaltiger Mode? Ist das für ein Supermodel, das ständig neue Outfits braucht, überhaupt realistisch umsetzbar?“
Heidi Klum: „Es muss realistisch werden! Ich achte immer mehr darauf, mit Designern zu arbeiten, die umdenken. Es geht um Langlebigkeit und Materialien. Ich sehe bei meinen GNTM-Kandidaten, dass die junge Generation eine ganz andere Erwartung hat. Sie wollen wissen: Woher kommt der Stoff? Wir zeigen dieses Jahr in der Show viel mehr ‚Circular Fashion‘. Ich trage auch privat gerne Vintage-Teile oder kombiniere Altes mit Neuem. Nachhaltigkeit ist kein Trend, es ist die neue Basis.“

Newcomer und die Visionäre hinter der Kamera
Anuschka: „Sie fördern durch Project Runway und GNTM ständig Talente. Wer sind Ihre aktuellen Lieblings-Newcomer in der Design-Szene? Wer bringt Ihr Herz zum Klopfen?“
Heidi Klum: „Ich liebe die Energie von Guram Gvasalia und dem, was er bei Vetements macht – das ist für mich die perfekte Mischung aus Provokation und Handwerk. Aber auch Designer wie Christian Siriano überraschen mich immer wieder mit ihrer Inklusivität. Und was Newcomer angeht: Behaltet Namen wie Yanneck Wiese im Auge. Diese jungen Leute haben einen Hunger und eine Frische, die die Branche braucht. Sie denken nicht in Schubladen.“
Anuschka: „Und wenn wir über das Bild sprechen, das diese Mode einfängt – welche Fotografen setzen Sie heute am liebsten in Szene? Gibt es noch diese magischen Momente wie früher mit Lindbergh?“
Heidi Klum: „Niemand versteht mich so wie Rankin oder Kristian Schuller. Kristian erschafft ganze Welten, das ist reine Kunst. Aber ich arbeite auch wahnsinnig gerne mit Max Montgomery oder Yu Tsai. Sie haben alle einen sehr unterschiedlichen Blick. Yu Tsai ist hart, aber er kitzelt das Beste aus einem heraus. Ein guter Modefotograf muss die Seele des Outfits finden, nicht nur das Licht. Wenn das passiert, dann entsteht dieses eine Foto, das man auch in 20 Jahren noch anschauen will.“

Über Mode und den ewigen Wandel
Anuschka: „Man sagt ja, Mode sei vergänglich, hingegen bleibe. Sie haben über Jahrzehnte alles getragen – von Flügeln bis hin zu… nun ja, einem Wurm-Kostüm. Hat sich Ihre Definition von Eleganz über die Jahre verändert?“
Heidi Klum: „Absolut. Früher dachte ich, Mode muss immer extrem sein, um aufzufallen. Heute weiß ich: Wahre Mode ist das, worin ich mich unbesiegbar fühle. Ob das ein Couture-Kleid auf dem Roten Teppich ist oder einfach eine perfekt sitzende Jeans. Man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen. Mode soll Spaß machen, sie ist ein Spielzeug für Erwachsene!

Fitness und die Realität der Disziplin
Anuschka: „Das Magazin Die Dietrich steht auch für eine gewisse Disziplin. Sie sind vierfache Mutter, führen ein Imperium und sehen aus, als hätten Sie die Zeit angehalten. Wie sieht das Fitness-Regime aus, wenn man eigentlich gar keine Zeit für ein Regime hat?“
Heidi Klum: „Ganz ehrlich? Man muss kreativ werden. Ich habe keine Lust, drei Stunden im Keller Gewichte zu stemmen. Ich mache mein Workout oft mit den Kindern oder den Hunden. Wir sind viel draußen. Aber ich bin auch diszipliniert, wenn es um die Ernährung geht – nicht durch Verzicht, sondern durch Qualität. Ich koche viel selbst. Ich will wissen, was in meinen Körper kommt. Gesundheit ist am Ende das einzige Kapital, das wir wirklich besitzen.“

Wirtschaft, Sport und die Energie des Geldes
Anuschka: „Wir haben neulich im Magazin darüber analysiert, warum im Sport – nehmen wir Giganten wie Mercedes – so unfassbar viel Sponsorengeld fließt. Unsere These: Es liegt daran, dass dort Herzblut und Energie messbar werden. Erleben Sie das in Ihrer Branche ähnlich? Dass Partner heute eher in Ihre Energie investieren als nur in Ihr Gesicht?“
Heidi Klum: „Hundertprozentig! Die Zeiten, in denen man nur ein hübsches Gesicht in die Kamera gehalten hat, sind vorbei. Unternehmen suchen heute nach dieser echten, fast schon sportlichen Leidenschaft. Sponsoren wollen sehen, dass man für eine Sache brennt. Wenn ich für eine Marke stehe, dann mit vollem Einsatz – so wie ein Rennfahrer in der Kurve. Diese Energie steckt an, und das ist es, was am Ende auch den wirtschaftlichen Erfolg ausmacht. Ohne Emotion ist alles nur trockene Kalkulation.“

Ein Blick in die Zukunft
Anuschka: „Heidi, Sie sind seit über 30 Jahren im Geschäft. Was kommt als Nächstes? Werden wir eine Heidi Klum Kollektion sehen, die sich komplett dem Thema ‚Future-Wear‘ widmet?“
Heidi Klum: (zwinkert) „Sag niemals nie! Ich habe so viele Ideen im Kopf. Aber im Moment genieße ich es, andere zu inspirieren und die Plattformen zu nutzen, die ich habe. Mode wird immer ein Teil von mir sein – egal ob als Model, Produzentin oder einfach als jemand, der es liebt, sich in Schale zu werfen. Das Wichtigste bleibt: Bleib dir treu, aber bleib niemals stehen!“
Das Geheimnis der Lebensqualität
Anuschka: „Zum Abschluss: Wenn Sie den Leserinnen von Die Dietrich einen Rat für mehr Lebensqualität geben könnten, der nichts mit Geld oder Ruhm zu tun hat – welcher wäre das?“
Heidi Klum: „Lacht mehr! Über euch selbst, über die Situationen, in denen ihr eigentlich fluchen wollt. Und: Umgebt euch mit Menschen, die euch Energie geben, statt sie euch zu rauben. Das ist das beste Facelifting, das es gibt.“
Anuschka: „Ein wunderbares Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch, Heidi!“
Das Phänomen Klum: Zwischen Disziplin und Ekstase
Wenn Heidi Klum den Raum betritt, verändert sich die Statik des Zimmers. Es ist nicht nur die schiere Größe oder das markante Gesicht, das uns seit drei Jahrzehnten von den Titeln der weltweit wichtigsten Hochglanzmagazine entgegenblickt – es ist eine fast physisch greifbare Energie. In der Modebranche, einem Metier, das oft zwischen unterkühlter Arroganz und flüchtiger Melancholie schwankt, ist sie die strahlende Anomalie.
Heidi ist keine Muse, die still auf einem Sockel verweilt; sie ist der Motor. Vom „Mädchen aus Bergisch Gladbach“ zur globalen Entertainment-Ikone hat sie eine Karriere geformt, die auf einem eisernen Fundament aus deutscher Disziplin und amerikanischem Optimismus steht. Sie hat den Begriff des „Supermodels“ überlebt und ihn durch den der „Business-Powerhouse“ ersetzt. Ob sie in Paris in der Front Row der High Fashion sitzt, als Jurorin über die Zukunft junger Talente entscheidet oder an Halloween die Grenzen des Vorstellbaren sprengt – sie bleibt dabei stets die Architektin ihres eigenen Mythos.
Für Die Dietrich trafen wir eine Frau, die keine Angst vor dem Älterwerden hat, weil sie zu beschäftigt damit ist, das Leben in seiner vollsten Intensität zu kuratieren. Ein Gespräch über die Kunst, sich niemals selbst zu verlieren, während man sich ständig neu erfindet.
