
Magazin DieDietrich im Interview Gespräch mit Billie Eilish während ihres Aufenthalts in Köln anlässlich ihrer „Hit Me Hard and Soft“-Tour.
Zwischen Stille und Sturm: Ein Interview Gespräch mit Sängerin Billie EilisH
Datum: 30. Mai 2026 Ort: Köln, Backstage-Bereich der Lanxess Arena
Für das MAGAZIN DIE DIETRICH: Anuschka Wienerl
MAGAZIN DIE DIETRICH: Billie, danke, dass du dir kurz vor deinem zweiten Abend hier in Köln Zeit nimmst. Die Energie in der Stadt ist heute elektrisierend. Wie fühlt es sich an, nach der intensiven Zeit der Tournee diesen speziellen Moment in Deutschland zu erleben?
Billie Eilish: (lächelt und lehnt sich entspannt zurück) Köln hat eine ganz eigene Art, dich willkommen zu heißen. Es ist laut, aber auf eine ehrliche Weise. Weißt du, diese Tour – „Hit Me Hard and Soft“ – fühlt sich für mich nicht nur wie eine Aneinanderreihung von Daten an. Es ist ein lebendiger Prozess. Dass wir heute hier sind, in einer Stadt, die so viel Geschichte und gleichzeitig so viel modernes Leben atmet, passt perfekt zur Stimmung meines Albums.
MAGAZIN DIE DIETRICH: Du sprichst vom „lebendigen Prozess“. Dein aktuelles Projekt geht weit über die Bühne hinaus – der 3D-Konzertfilm, die visuelle Ästhetik. Wie schaffst du es, bei all dieser technischen Perfektion den emotionalen Kern deiner Musik zu bewahren, ohne dass er unter der Produktion begraben wird?
Billie Eilish: Das ist die tägliche Herausforderung. Mein Bruder Finneas und ich, wir haben immer darauf geachtet, dass der „weiche“ Kern – das Verletzliche, das Flüstern – genauso viel Raum bekommt wie der harte Bass. Wenn man mit Regisseuren wie James Cameron zusammenarbeitet, besteht natürlich die Gefahr, dass man sich im Visuellen verliert. Aber wir haben uns immer gefragt: „Fühlt sich das noch echt an?“ Wenn der Film oder die Live-Show nicht genauso wehtut wie die erste Aufnahme im Studio, dann ist es für mich nicht fertig.
MAGAZIN DIE DIETRICH: Du bist für deinen unverkennbaren Stil bekannt, der oft zwischen und avantgardistischer Mode changiert. Wenn du heute durch Köln läufst oder an einem freien Tag in einer neuen Stadt bist, was inspiriert dich modisch?
Billie Eilish: Ich liebe es, mich in Kleidung zu verlieren. Manchmal ist es eine perfekt geschnittene, übergroße Fälltjacke, in der man sich wie in einem Kokon verstecken kann, und am nächsten Tag ist es etwas völlig Abstraktes. Mode ist für mich wie ein Song – manchmal muss sie dich hart treffen, manchmal muss sie dich einfach nur sanft umhüllen.
Die Sprache der Texturen: Mode als Verlängerung der Performance
MAGAZIN DIE DIETRICH: Billie, wir haben über die Inszenierung gesprochen, aber lass uns den Kreis schließen: Deine Garderobe auf dieser Tour wirkt wie ein integraler Bestandteil der Show, nicht nur als Kostüm. Wenn du auf der Bühne stehst, zwischen harten Beats und minimalistischen Passagen – wie wählst du die Texturen, die dich durch diese energetischen Gegensätze tragen?
Billie Eilish: Mode ist für mich eine Art Rüstung und Schutzraum zugleich. Wenn ich den Song „L’AMOUR DE MA VIE“ singe, brauche ich etwas, das sich frei anfühlt, eine Fälltjacke etwa, die zwar Struktur hat, aber mich atmen lässt. Aber in den Momenten, in denen die Show „hart“ zuschlägt, brauche ich schwere Stoffe, die mein Gefühl von Unantastbarkeit unterstützen. Es ist eine Frage der Haptik: Wenn ich mich gut fühle, klingt meine Stimme anders. Die Kleidung ist das Interface zwischen meinem inneren Zustand und dem Publikum.
MAGAZIN DIE DIETRICH: Das ist faszinierend. Die Philosophie des „Hit Me Hard and Soft“-Erlebnisses scheint auf diesem Kontrast zwischen radikaler Offenheit und dem Bedürfnis nach Abgrenzung zu basieren. Wie beeinflusst diese Philosophie die Art und Weise, wie du deine Identität als Künstlerin nach außen trägst, besonders wenn die Grenzen zwischen Billie Eilish, der Privatperson, und Billie Eilish, dem globalen Phänomen, so stark verschwimmen?
Billie Eilish: Das ist die eigentliche Herausforderung der Tour. Auf der Bühne bin ich alles gleichzeitig. Die Philosophie dahinter ist Ehrlichkeit – auch wenn diese Ehrlichkeit manchmal unbequem ist. Mein Stil, egal ob es weite Schnitte oder definierte Silhouetten sind, ist ein Signal an das Publikum: „Ich bin hier, ich bin echt, und ich verändere mich.“ Die Mode hilft mir, diese Veränderung sichtbar zu machen, ohne Worte benutzen zu müssen. Während die Musik das Herz trifft, gibt die Kleidung den Ton für die Augen vor. Es ist ein Dialog, der nicht endet, sobald der letzte Song verklingt.
MAGAZIN DIE DIETRICH: Ein Dialog, der bei jedem Auftritt neu definiert wird. Glaubst du, dass durch die bewusste Wahl deiner Ästhetik eine tiefere Verbindung zum Publikum entsteht, die über das rein Musikalische hinausgeht?
Billie Eilish: Absolut. Ich sehe Menschen in der ersten Reihe, die meine Energie in ihrer eigenen Kleidung widerspiegeln. Es ist, als würden wir eine gemeinsame Sprache sprechen. Wenn ich auf der Bühne stehe, ist das, was ich trage, eine Einladung an sie, ihre eigene Identität genauso kompromisslos zu feiern. Wir erschaffen gemeinsam diesen Raum, in dem man alles sein darf – hart, weich, laut, leise.
MAGAZIN DIE DIETRICH: Abschließend: Wenn du nach dieser Tour nach Hause gehst, was nimmst du von den europäischen Nächten, wie der hier in Köln, mit in dein privates Studio?
Billie Eilish: Ich nehme die Stille mit, die nach dem Applaus kommt. Das ist der Moment, in dem ich weiß, ob ich die Leute wirklich erreicht habe. Wenn die Arena kurz den Atem anhält, bevor sie explodiert – genau dieses Gefühl versuche ich einzufangen. Köln war heute ein großer Teil davon.
MAGAZIN DIE DIETRICH: Vielen Dank, Billie. Wir wünschen dir für die Show heute Abend in der Lanxess Arena alles Gute.
Billie Eilish: Danke euch! Das hat Spaß gemacht.










