Interview mit Kontra K:
Exklusives Interview: Über Deals, Druck & den eigenen Weg
Ort: Ein Boxgym in Berlin-Lichtenberg. Es riecht nach Leder und Schweiß. Interviewer: Anuschka Wienerl (Magazin Die Dietrich) Gast: Kontra K (Maximilian Diehn)
Anuschka Wienerl: Maximilian, danke, dass wir das hier machen können. Wir sitzen in deinem Gym – für viele ein Ort der Qual, für dich der Ort der Ruhe. Wenn wir über „Deals“ sprechen: Du hast in deiner Karriere vom Independent-Dasein bis zum Major-Vertrag alles gesehen. Wie fühlt es sich an, wenn heute die großen Marken anklopfen, verglichen mit den Anfängen, als du noch Fassaden gereinigt hast?
Kontra K: (schmunzelt, wickelt sich die Bandagen um die Hände) Weißt du, früher war ein „Deal“, wenn ich am Ende des Monats genug hatte, um die Miete und das Training zu zahlen. Heute sind die Zahlen größer, aber mein Blick darauf ist kälter geworden. Ein Deal ist für mich nur dann gut, wenn er meine Freiheit nicht beschneidet. Viele junge Künstler unterschreiben alles, weil sie das schnelle Geld sehen. Aber Geld ist wie Salzwasser: Je mehr du trinkst, desto durstiger wirst du. Ich nehme nur Deals an, hinter denen ich stehen kann – Dinge, die Energie haben, so wie der Sport. Wenn kein Herzblut drin steckt, ist es nur Papier.

Anuschka Wienerl: Hast du das Gefühl, dass die Musikindustrie manchmal versucht, diese „Energie“ künstlich zu erzeugen, während du sie real lebst?
Kontra K: Absolut. Die Industrie versucht oft, das „Ghetto-Image“ oder die „Kämpfernatur“ in eine Plastikverpackung zu stecken, um sie teuer zu verkaufen. Aber die Fans sind nicht dumm. Die merken, ob du wirklich um 5 Uhr morgens im Wald rennst oder ob du das nur für ein Instagram-Foto behauptest. Der Druck in dieser Branche ist enorm, immer „relevant“ zu bleiben. Aber mein Weg war immer: Ich mache mich vom Hype unabhängig. Wenn du eine loyale Armee hinter dir hast, brauchst du keinen Trend.
Anuschka Wienerl: „Druck“ ist ein gutes Stichwort. Du lieferst fast jährlich ein Nummer-1-Album ab, tourst durch die größten Hallen und führst nebenbei mehrere Unternehmen. Woher nimmst du die Disziplin, nicht unter diesem Erwartungsdruck zu zerbrechen?
Kontra K: Druck ist für mich Treibstoff. Wenn kein Druck da ist, werde ich faul, und Faulheit ist der Anfang vom Ende. Ich sehe das wie beim Boxen: Der Moment, in dem du denkst, du bist der Beste und musst nicht mehr an die Deckung denken, ist der Moment, in dem du schlafen gehst. Ich habe keine Angst vor dem Scheitern, ich habe Angst vor dem Stillstand. Mein eigener Weg bedeutet auch, „Nein“ zu sagen. Nein zu Partys, Nein zu falschen Freunden, Nein zu Deals, die meine Seele verbiegen würden.
Anuschka Wienerl: Gibt es einen Moment in deiner Karriere, in dem du kurz davor warst, den „einfachen“ Weg zu gehen, anstatt den harten?
Kontra K: Täglich. Der einfache Weg klopft jeden Morgen an deine Tür und sagt: „Bleib liegen, du hast doch schon alles erreicht.“ Aber das ist Gift. Erfolg ist eine Leihgabe, keine Miete. Du musst jeden Tag neu dafür bezahlen. Mein Weg war nie der rote Teppich, mein Weg war der durch den Schlamm. Und genau deshalb stehe ich heute stabiler als die, die mit dem Lift nach oben gefahren sind.
Anuschka Wienerl: Maximilian, du sagst oft, Erfolg sei nur eine Leihgabe. In einer Branche, in der jeder nach dem nächsten großen Vorschuss giert: Wie verhinderst du, dass ein Major-Deal dich weich macht?Kontra K: (zieht die Bandagen fest) Das Problem ist, dass viele den Vertrag als Ziel sehen. Für mich ist er nur das Werkzeug. Wenn du unterschreibst und denkst, du hast es geschafft, hast du schon verloren. Ich habe früher Fassaden gereinigt – da gab es keinen Vorschuss, da gab es Geld für Leistung. Diese Mentalität behalte ich bei. Ein Deal darf niemals deine Kunst kontrollieren. Sobald mir einer vorschreiben will, wie mein Sound zu klingen hat, bin ich raus. Meine Freiheit ist unbezahlbar.
Anuschka Wienerl: Du stehst unter permanentem Druck, abzuliefern. Jedes Jahr ein Album, jedes Jahr Gold. Hast du keine Angst, dass die Quelle irgendwann versiegt?
Kontra K: Druck ist Privileg. Wer keinen Druck spürt, bewegt nichts. Die Leute da draußen arbeiten 40 Stunden die Woche in Jobs, die sie hassen, um ihre Familien durchzubringen – das ist echter Druck. Dass ich Musik machen darf, ist ein Segen, also beschwere ich mich nicht über den Stress. Ich gehe in den Wald oder in den Ring, um den Kopf frei zu kriegen. Wenn du diszipliniert bist, musst du nicht auf die Muse warten, die dich küsst. Du holst dir die Inspiration einfach ab.
Anuschka Wienerl: Dein Weg war nie der klassische Weg über Radio-Hypes. Du hast dir alles über die Live-Schiene und Loyalität aufgebaut. Ist das der einzige Weg, um langfristig oben zu bleiben?
Kontra K: Es ist der härteste, aber der sicherste Weg. Ein Hype ist wie ein Strohfeuer – hell, aber schnell vorbei. Echte Loyalität musst du dir verdienen. Meine Fans wissen, dass ich nicht für den roten Teppich trainiere, sondern für mich selbst. Wer den schnellen Weg wählt, wird vom System ausgespuckt, sobald der nächste Trend kommt. Ich gehe lieber Schritt für Schritt durch den Schlamm, aber dafür weiß ich genau, wo ich stehe.

Der Ring als Spiegel: Musikszene vs. Profisport
Anuschka Wienerl: Maximilian, wir haben eben über Disziplin gesprochen. Du hast mal gesagt, der Boxring sei dein „Wohnzimmer“. Wenn du dir die Musikszene ansiehst: Werden dort zu viele Kämpfe nur mit dem Mund und zu wenige mit echtem Training ausgefochten?
Kontra K: (schlägt locker gegen den Sandsack) Im Rap wird viel Schattenboxen betrieben. Alle tun so, als wären sie Schwergewichtler, aber viele würden keine zwei Runden im echten Leben überstehen. Der Unterschied ist: Im Ring lügt die Realität dich nicht an. Wenn du nicht trainiert hast, gehst du schlafen – egal wie viele Follower du hast. In der Musikszene kannst du dir vieles erkaufen oder faken, aber der Ring ist der ehrlichste Ort der Welt. Das versuche ich in meine Musik zu bringen: Diese rohe, ungeschönte Wahrheit.
Anuschka Wienerl: Du trainierst oft mit Profis wie Jürgen Brähmer. Was nimmt ein Musiker aus einem Sparring mit einem Weltmeister mit in die Kabine oder ins Studio?
Kontra K: Respekt und Demut. Wenn du mit einem Weltmeister im Ring stehst, merkst du schnell, dass du eigentlich noch ein „Kätzchen“ bist, auch wenn du dich draußen wie ein Löwe fühlst. Diese Demut fehlt vielen in der Szene. Erfolg im Rap kommt oft über Nacht, aber Erfolg im Boxen braucht Jahre. Ich versuche, meine Karriere wie eine Profi-Laufbahn aufzubauen: Beständigkeit über Sensation. Talent bringt dich vielleicht durch die ersten drei Kämpfe, aber für die 100 Kämpfe danach brauchst du Schmerzresistenz.
Anuschka Wienerl: Viele deiner Texte handeln vom „Aufstehen“. Ist das Boxen für dich die physische Bestätigung deiner Texte? Dass man erst durch den Schmerz lernen muss, was Erfolg wert ist?
Kontra K: Absolut. „Erfolg ist kein Glück“ ist kein Kalenderspruch, das ist eine Trainingsphilosophie. Wenn ich im Studio sitze und merke, ich werde bequem, gehe ich ins Gym und lasse mich fordern. Schmerz ist ein guter Lehrer. In der Rap-Welt wird Schmerz oft nur „vibe-mäßig“ inszeniert, aber ich will, dass die Leute spüren, dass ich das wirklich fühle. Wer nie am Boden lag und die Matte geschmeckt hat, kann nicht glaubhaft vom Aufstehen rappen.

Anuschka Wienerl: In der Rap-Szene gibt es viel Neid und „Rücken“-Politik. Im Boxen bist du im Ring auf dich allein gestellt. Ist diese Einsamkeit im Kampf etwas, das dich auch als Künstler schützt? Kontra K: Ja, am Ende des Tages stehst du allein im Licht. Dein Team kann dich bis zum Seil begleiten, aber den Schlag abfangen musst du selbst. Die Rap-Szene ist oft unloyal – heute Bruder, morgen Feind. Im Boxen ist das klarer: Der Gegner ist dein Gegner, aber nach dem Kampf gibt es oft mehr Respekt als in der gesamten Musikindustrie. Ich verlasse mich lieber auf meine eigene Deckung als auf die Versprechen von Leuten, die nur da sind, wenn die Sonne scheint.

Anuschka Wienerl: Du bist nicht nur Kämpfer, sondern gibst dein Wissen auch weiter. Wenn du junge Kids im Gym siehst, die vielleicht mit der falschen Vorstellung vom „Rap-Star-Leben“ zu dir kommen – dicke Autos, schnelles Geld, keine Regeln – wie holst du die aus diesem Film raus und bringst sie dazu, sich im Training zu quälen? Kontra K: (setzt sich auf die Hantelbank und atmet tief durch) Ich sage denen ganz klar: Der Rap-Film, den ihr auf TikTok seht, ist eine Illusion. Das ist wie ein Filter über einem hässlichen Gesicht. Viele Kids denken, sie können die Abkürzung nehmen. Aber im Gym gibt es keine Abkürzung. Ich lasse sie erst mal gegen die Wand laufen – sportlich gesehen. Wer bei mir trainieren will, muss Disziplin zeigen. Wer zu spät kommt, macht Liegestütze, bis die Arme zittern. Ich will, dass sie verstehen: Du bist nicht „krass“, weil du eine Waffe in die Kamera hältst oder jemanden beleidigst. Du bist krass, wenn du deinen inneren Schweinehund besiegst, obwohl dich keiner sieht.
Anuschka Wienerl: Ist der Sport für diese Jugendlichen eine Art „Therapie“, um den falschen Vorbildern in der Musikszene zu entkommen? Kontra K: Es ist die Realitätsschelle, die sie brauchen. In den Songs hören sie oft nur von Drogen und schnellem Erfolg. Aber Drogen machen dich schwach, und schneller Erfolg macht dich dumm. Sport gibt ihnen einen Wert, der nichts mit Geld zu tun hat. Wenn ein Junge nach sechs Monaten Training seinen ersten Kampf gewinnt oder einfach nur zehn Kilo abgenommen hat, dann hat er sich das erarbeitet. Das kann ihm keiner nehmen – kein Label, kein falscher Freund. Ich versuche ihnen beizubringen, dass „Eier haben“ bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, nicht Ärger zu machen.
Anuschka Wienerl: Du hast selbst eine bewegte Vergangenheit. Siehst du dich in diesen Jungs wieder? Ist das dein Weg, etwas zurückzugeben, damit sie nicht die gleichen Fehler machen wie du damals?Kontra K: Sicher. Ich war auch mal derjenige, der dachte, er müsste mit dem Kopf durch die Wand. Aber ich hatte das Glück, dass ich den Sport gefunden habe, bevor die Wand gewonnen hat. Ich will der Mentor sein, den ich damals vielleicht gebraucht hätte. Einer, der nicht nur redet, sondern es vorlebt. Wenn die sehen, dass ich nach einer ausverkauften Tournee montags morgens als Erster im Gym stehe und den Boden wische, dann kapieren sie: Hier wird nicht gelabert, hier wird gemacht.
Anuschka Wienerl: Ein starkes Schlusswort für diesen Teil. Vom Mic in den Ring und zurück – für dich scheint das alles eine einzige Einheit zu sein, oder?Kontra K: (grinst und steht auf) Es ist alles eins. Musik ist die Stimme, der Sport ist das Rückgrat. Ohne das eine wäre das andere nur heiße Luft. So, genug geredet – die Sandsäcke schlagen sich nicht von allein.
Anuschka Wienerl: Maximilian, danke für deine Zeit und die ehrlichen Worte. Kontra K: Danke dir. (geht zum Sandsack, das Training beginnt)
Zusammenfassung vom Interview
Die Inspiration hinter seinen Texten
In unserem Gespräch erwähnte Kontra K, dass seine Texte stark von persönlichen Erlebnissen geprägt sind. Er bezieht sich oft auf Herausforderungen, die er in seinem Leben überwunden hat. Diese ehrliche Reflexion zieht sich durch seine gesamte Diskografie und macht seine Musik besonders nachvollziehbar für seine Zuhörer. Seine Fähigkeit, Emotionen in Worte zu fassen, hebt ihn von anderen Künstlern ab.

Zukunftspläne und neue Projekte
Kontra K verriet auch, dass er bereits an neuen Projekten arbeitet. Sein Ziel ist es, seine Musik ständig weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen. Dabei bleibt er sich jedoch treu und plant, die Themen, die ihm wichtig sind, weiter zu erkunden. Fans dürfen sich auf neue Klänge und Inhalte freuen, die sicherlich ebenso kraftvoll und berührend sein werden.








